ISEK – Tuning für die Stadtentwicklung

Als Bezirksbürgermeisterin habe ich die Entwicklung einiger Stadtteile in Bochum in den vergangenen Jahren begleitet. Natürlich vor allem die im Bochumer Osten, also in Laer, Langendreer und Werne. Dabei habe ich festgestellt, dass es ein Instrument gibt, dass hier besonders erfolgreich ist, das ISEK. Was dahinter steckt und warum ich mich für dieses Programm stark machen will, möchte ich hier erklären.

ISEK – wer oder was bist Du?

ISEK ist die Abkürzung für “Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept“. Es kommt – so kann man es nachlesen, bei „Herausforderungen städtebaulicher Strukturen zum Einsatz“. Übersetzen wir das einmal: Herausforderungen bedeutet so viel wie „da muss was getan werden, da gibt es Handlungsbedarf“. Und städtebauliche Strukturen ist ein konkreter Raum oder ein konkretes Gebiet, wo das erfolgen soll, in der Regel ein Stadtteil. Neu bei dieser Herangehensweise ist, dass vor allem die Grundlagen vor Ort berücksichtigt werden: Wie sind die Strukturen, welche Akteure, also Gruppen, Vereine oder Institutionen gibt es, wie ist die wirtschaftliche Situation vor Ort?

Und warum so umständlich?

Wenn man wissen will, warum die Rahmenbedingungen hierbei eine größere Rolle spielen als früher, kann man das gut mit „früher“ vergleichen: Denn früher, da ging das ganz einfach von oben nach unten. Da haben Planer im Planungsamt etwas geplant, was dann umgesetzt wurde. Den neuen Ortskern von Laer um den Lahariplatz zum Beispiel, der in den 70er Jahren so konzipiert und gebaut wurde, wie man ihn jetzt vorfindet. Vielleicht zweckmäßig, aber viele trauern dem alten Erscheinungsbild des Stadtteils entlang der alten Wittener Straße immer noch hinterher. Deswegen werden nun die Menschen vor Ort mit einbezogen, damit im Idealfall später alle zufrieden sind.

Beteiligung als Treibstoff

Mitmachen und sich einbringen – davon lebt ein ISEK. Denn so werden von der städtischen Verwaltung zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam Ideen entwickelt. Man spricht bei diesem Austausch auch von einem „informellen Planungsinstrument“. Das ist dann die Grundlage, an der sich die weitere Umsetzung orientiert. Die Ideen werden fachlich geprüft, bevor sie möglicherweise realisiert werden. Die Schwerpunkte dieser Ideen sind so unterschiedlich wie ein ISEK eben ist. Dazu gehören insbesondere die Bereiche Wirtschaft und Arbeitsplätze, Naherholung, Stärkung eines Ortszentrums, Verbesserung der technischen oder kulturellen Infrastruktur, Verbesserungen bei Verkehr und Mobilität, Umweltschutz, Nahversorgung usw.

ISEK vor Ort in Bochum

Für die Umsetzung und Organisation eines ISEKs werden vor Ort für eine bestimmte Zeit – in der Regel sieben Jahre – Büros eingerichtet und Stadtteil- oder Quartiersmanager eingestellt. Die sind konkret ansprechbar, organisieren und Begleiten die Maßnahmen.

In Bochum gibt es mehrere ISEK-Programme wie das WLAB (Werne, Langendreer und Alter Bahnhof) und das in Laer, aber auch in Wattenscheid und in der Innenstadt kommen ISEKs zum Einsatz. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass sich Ziele, Programme oder Maßnahmen verändern, denn es ist ein dynamischer Prozess und kein statischer 5-Jahres-Plan.

Warum mir das wichtig ist

Mit den ISEK-Programmen habe ich persönlich sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie sind Impulsgeber für einen Stadtteil, es werden Ideen und Maßnahmen gemeinsam mit den Menschen umgesetzt. Es ist kein Prozess von oben nach unten, sondern miteinander. Ein ISEK macht „Betroffene zu Beteiligten“, wie man heute gerne sagt. Da eine Finanzierung maßgeblich von Bund und Land erfolgt, will ich mich in Düsseldorf dafür einsetzen, dass ausreichende Mittel dafür in Zukunft bereitgestellt werden. Denn bei uns gibt es noch einiges zu tun.